Verdunstungskühlanlagen und Kühltürme gehören zu den Anlagen, bei denen der Gesetzgeber die Verantwortung eindeutig beim Betreiber verortet. Wer eine solche Anlage betreibt, muss eine Gefährdungsbeurteilung vorhalten, die Anlage bei der Behörde anzeigen, das Wasser regelmäßig auf Legionellen untersuchen lassen und alles dokumentieren. Dieser Beitrag ordnet die Pflichten, die Fristen und die Zuständigkeiten.
Warum ausgerechnet Kühltürme ein Legionellenrisiko sind
Verdunstungskühlanlagen arbeiten mit einem Prinzip, das Legionellen entgegenkommt: Wasser wird über große Oberflächen verteilt, mit Luft in Kontakt gebracht und dabei zwangsläufig fein zerstäubt. Die entstehenden Aerosole verlassen die Anlage über die Fortluft. Kommen Temperaturen im kritischen Bereich, Nährstoffe aus der Umgebungsluft und Biofilm auf den Füllkörpern zusammen, hat der Erreger ideale Bedingungen.
Das Besondere gegenüber Trinkwasseranlagen: Die Aerosole wirken nicht nur im Gebäude. Sie können über beträchtliche Entfernungen verweht werden und Menschen erreichen, die mit dem Betrieb nichts zu tun haben. Genau deshalb hat der Gesetzgeber diese Anlagen in der 42. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, kurz 42. BImSchV, eigens geregelt. Wie ernst das Risiko ist, zeigte ein Legionellenausbruch in Basel im Sommer 2026. Nach Angaben des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt wurden 26 Fälle der Legionärskrankheit nachgewiesen, eine Person ist verstorben. Proben aus zwei Nasskühltürmen auf einem Bürogebäude stimmten mit den Patientenproben überein.
Wen die 42. BImSchV betrifft
Die Verordnung gilt für Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider, in denen Wasser verrieselt oder versprüht wird oder auf andere Weise mit der Umgebungsluft in Kontakt kommen kann. In der Praxis sind das vor allem offene Rückkühlwerke von Kälte-, Klima- und Energieerzeugungsanlagen. Eine Mindestgröße kennt die Verordnung nicht, entscheidend ist das Funktionsprinzip. Betroffen sind damit Rechenzentren ebenso wie Kliniken, Industriebetriebe, die Lebensmittelindustrie und Verwaltungsgebäude mit zentraler Kälteversorgung.
Ausgenommen sind unter anderem Rückkühlwerke im reinen Trockenbetrieb und RLT-Anlagen mit adiabater Kühlung. Für diese RLT-Anlagen gilt die VDI 6022, nicht die VDI 2047 Blatt 2.
Wichtig für die Praxis: Die Pflichten treffen den Betreiber. Er kann Aufgaben an Dienstleister übertragen, die Verantwortung dafür, dass sie fachgerecht und fristgerecht erledigt werden, bleibt bei ihm. An diesem Punkt werden Betreiber in der Praxis am häufigsten überrascht.
Die Pflichten im Überblick
Gefährdungsbeurteilung vor der Inbetriebnahme
Vor der Inbetriebnahme ist unter Beteiligung einer hygienisch fachkundigen Person eine Gefährdungsbeurteilung mit Risikoanalyse und Risikobewertung zu erstellen. Sie betrachtet den konstruktiven Zustand der Anlage, die Wasserqualität, die Betriebsweise und die Umgebung, insbesondere die Frage, wohin die Aerosole gelangen können. Für Rückkühlwerke liefert die VDI 2047 Blatt 2 als anerkannte Regel der Technik die Grundlage. Die Gefährdungsbeurteilung ist regelmäßig zu überprüfen und bei jeder wesentlichen Änderung an Anlage, Betriebsweise oder Umgebung zu aktualisieren.
Anzeige bei der Behörde
Jede Anlage ist bei der zuständigen Behörde anzuzeigen, neue Anlagen innerhalb eines Monats nach der Erstbefüllung. Die Anzeige läuft über das Onlineportal KaVKA. Auch Änderungen, die Stilllegung und ein Betreiberwechsel sind anzuzeigen.
Betriebsinterne Überwachung und Laboruntersuchungen
Bei Verdunstungskühlanlagen und Nassabscheidern überwacht der Betreiber die Anlage im laufenden Betrieb mindestens alle zwei Wochen selbst anhand chemischer, physikalischer oder mikrobiologischer Kenngrößen. Zusätzlich lässt er das Nutzwasser mindestens alle drei Monate von einem akkreditierten Labor auf die allgemeine Koloniezahl und auf Legionellen untersuchen. Für Kühltürme im Sinne der Verordnung, also große Naturzugkühltürme, sind Laboruntersuchungen auf Legionellen mindestens monatlich vorgeschrieben. Alle Ergebnisse und Maßnahmen gehören in das Betriebstagebuch.
Prüfung durch Sachverständige
Alle fünf Jahre ist die Anlage von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen oder einer akkreditierten Inspektionsstelle Typ A zu prüfen. Geprüft wird nicht nur die Anlage, sondern auch, ob die Betreiberpflichten tatsächlich erfüllt und nachvollziehbar dokumentiert sind.
| Pflicht | Frist |
|---|---|
| Gefährdungsbeurteilung | vor der Inbetriebnahme, danach regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung bei Änderungen |
| Anzeige bei der Behörde (KaVKA) | innerhalb eines Monats nach der Erstbefüllung |
| Betriebsinterne Überwachung | mindestens alle zwei Wochen (Verdunstungskühlanlagen und Nassabscheider) |
| Laboruntersuchung auf Koloniezahl und Legionellen | mindestens alle drei Monate (Verdunstungskühlanlagen und Nassabscheider), bei Kühltürmen im Sinne der Verordnung auf Legionellen mindestens monatlich |
| Prüfung durch Sachverständige | alle fünf Jahre, durch öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige oder eine akkreditierte Inspektionsstelle Typ A |
| Betriebstagebuch | laufend |
Was bei Überschreitung der Prüfwerte und des Maßnahmenwerts zu tun ist
Die Verordnung arbeitet bei Legionellen mit zwei Prüfwerten und einem Maßnahmenwert. Wird der Prüfwert 1 von 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) je 100 Milliliter überschritten, sind die Ursachen zu ermitteln. Bis die Werte wieder darunter liegen, wird betriebsintern wöchentlich und im Labor monatlich untersucht. Ab dem Prüfwert 2 von 1.000 KBE je 100 Milliliter kommen Sofortmaßnahmen hinzu, die die mikrobielle Belastung senken. Beim Maßnahmenwert von 10.000 KBE je 100 Milliliter ist die zuständige Behörde unverzüglich zu informieren, und es sind Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bis hin zur Außerbetriebnahme zu treffen.
Bei Verdunstungskühlanlagen und Nassabscheidern ermittelt der Betreiber für die allgemeine Koloniezahl außerdem einen Referenzwert aus mindestens sechs aufeinanderfolgenden Laboruntersuchungen. Steigt die Koloniezahl um den Faktor 100 oder mehr gegenüber diesem Referenzwert, sind die Ursachen zu klären und Sofortmaßnahmen zu ergreifen, auch wenn die Legionellenwerte noch unauffällig sind.
Typische Ursachen sind Biofilm auf den Füllkörpern, Ablagerungen im Wasserbecken, verschlissene Tropfenabscheider und Bereiche mit stehendem Wasser. Eine hygienische Reinigung setzt genau dort an: Entfernung von Biofilm und Ablagerungen, Desinfektion, Prüfung der Tropfenabscheider und Dokumentation des erreichten Zustands.
Betreiber-Checkliste
- Gefährdungsbeurteilung vorhanden und aktuell?
- Anlage über KaVKA angezeigt?
- Betriebsinterne Überwachung mindestens alle zwei Wochen im Betriebstagebuch dokumentiert?
- Laborbefunde der letzten zwölf Monate vollständig?
- Prüfung durch Sachverständige innerhalb der letzten fünf Jahre?
Einen Überblick über alle Prüfpflichten finden Sie auf unserer Seite Betreiberpflichten für RLT-Anlagen sowie Rückkühlwerke.
Rückkühlwerk hygienisch sicher betreiben
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